Montag, 1 August, 2022

08 2022 Editorial

Liebe Leser!

Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten – und wir tanzen auf dem Vulkan. Es gibt eine interessante Auswahl an Sprichwörtern und Redewendungen zur Beschreibung der aktuellen Stimmung: Ritt auf der Rasierklinge, jetzt oder nie, Drahtseilakt, Gratwanderung, Spiel mit dem Feuer… Nicht alle treffen jedermanns Gemütszustand, doch jeder hat schon mal an den einen oder anderen Spruch gedacht. Auch die Reaktionen darauf sind verständlich. Der verzweifelte Zwang, von jetzt auf gleich in den Urlaub zu fahren, auf allen erreichbaren Festivals zu tanzen oder das letzte Geld in Gaststätten zu tragen, erinnert an das Orchester der Titanic, das bis zum bitteren Ende spielte. Angesichts drohender Energieengpässe, bereits galoppierender Inflation und den Auswirkungen eines immer offenkundigeren Klimawandels wundert es kaum, dass heute viel mehr Menschen nach der Carpe-Diem-Philosophie leben, statt nach der Hamster-Methode für die Zukunft vorzusorgen.

Ob die Weltuntergangsstimmung wirklich angebracht ist, muss bezweifelt werden. Die Menschheit hat es bisher noch immer geschafft, aus jeder Krise gestärkt hervorzugehen. Im Moment ist es schwer, optimistisch in die Zukunft zu blicken, es sei denn, man lebt auf Gran Canaria. Auf unserer Insel der Seligen scheinen die Probleme in weiter Ferne. Natürlich befinden sich die Kanaren nicht außerhalb der Einflusszone der weltweiten Krisen, doch zwischen Sonne und Meer sind sie leichter zu ertragen. Das soll uns aber nicht zum Wegschauen anregen, sondern eher dazu, unsere Rolle neu zu definieren. Wir wollen nicht das Exil für verzweifelte Europäer werden, sondern unsere privilegierte Situation dazu nutzen, Europa einen Weg zu zeigen.

Viele Dinge sind auf einer subtropischen Insel einfacher zu bewerkstelligen als im dicht besiedelten und den Wetterkapriolen ausgesetzten Mitteleuropa. Doch nachhaltiger Umgang mit Ressourcen, effiziente Nahversorgung statt Importen und besonders entschlossenes Forcieren erneuerbarer Energie sind Ansätze, die für alle Regionen Europas sinnvoll erscheinen.

Auf den Kanaren ist man leider noch lange nicht so weit, die genannten Maßnahmen allgemein durchsetzen zu können. Die aktuellen Bedrohungen und Schwierigkeiten für Europa könnten jedoch zum Impuls für die Kanaren werden, die Bemühungen in Richtung Nachhaltigkeit zu verstärken. Die Kanaren sollten diesen Optimismus als Exportgut deklarieren – und alle Europäer sollten auf die Inseln kommen, um sich von der guten Stimmung anstecken zu lassen.

Für alle Leser, langjährige und neu dazugekommene, bringen wir in dieser Ausgabe aktuelle Reportagen, Tipps für Freizeit und Gesundheit, eine Reihe von interessanten sportlichen und kulturellen Veranstaltungen, Angebote unserer Geschäftspartner, wichtige Information zum Nachschlagen wie Apothekennotdienste, Busverbindungen, Gezeitentabellen und einiges mehr.

Viel Vergnügen beim Lesen!

Ihr Herausgeberteam

Angelina, Roswitha und Manfred Sander